Wer oder was ist Amygdala?

Februar 01, 2021

Weihnachten essen wir mittags immer Milchreis. In einer Portion ist eine Mandel versteckt und wer diese findet, bekommt ein kleines Geschenk. Wir lieben diese norwegischen Tradition (mein Mann ist Norweger) und daher heißt der Milchreis nicht Milchreis sondern Grþt und Weihnachten heißt der Milchreis auch Julegrþt.

Was hat das jetzt mit Amygdala zu tun?

Die Amygdala sieht aus wie eine Mandel und hat daher auch ihren Namen erhalten. NatĂŒrlich hat sie eine ganz andere Bedeutung als fĂŒr ein Geschenk zu sorgen, obwohl…. in gewisser Weise ein wenig – aber dazu mehr weiter unten im Artikel.

Die Amygdala sitzt bei uns im Gehirn und ist Teil des limbischen Systems (der Teil, der fĂŒr unsere GefĂŒhle verantwortlich ist). Das hat zur Folge, dass man einen schweren Unfall oder andere traumatische Erlebnisse nicht so schnell vergessen wird. Die Amygdala ist fĂŒr die Angst zustĂ€ndig und ist damit unsere Alarmanlage. Sie bewertet eine Situation und entscheidet, welches GefĂŒhl richtig und passend ist. Entscheidet sie sich fĂŒr die Angst, dann schickt sie einen Befehl an den Hypothalamus im vegetativen Nervensystem. Die Stresshormone Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol werden angeregt und der Körper wird in einen Alarmzustand versetzt.

Die Geschichte vom SĂ€belzahntiger und der Mandel

Die Angst will uns das Leben nicht schwer machen, sie versetzt unseren Körper in höchste LeistungsfĂ€higkeit. Bei einer Bedrohung ĂŒbernimmt die Amygdala die Steuerung. Bevor der Verstand die Situation bewertet, reagiert die Amygdala. Sie wandelt dann die Energie in Bewegung und bereitet uns auf eine schnelle Flucht oder Gegenwehr vor fĂŒr den bekannten Fluchtreflex (Fight, Flight or Freeze Reflex). Wenn wir uns nicht entscheiden können, ob wir fliehen oder kĂ€mpfen sollen, dann erstarren wir vor Angst. Wenn dann der Verstand einsetzt, kann es sein, dass man ĂŒber den Schatten, der einen gerade erschreckt hat, lachen kann, da es der eigene war.

Um auf der Flucht einen besseren Durchblick zu haben, ziehen sich die Muskeln durch den Adrenalinschub zusammen und wir haben dadurch weit geöffnete Augen. In der Evolution waren Ängste lebensnotwendig. Menschen, die keine Angst vor gefĂ€hrlichen Tieren wie der bekannte SĂ€belzahntiger oder Naturgewalten hatten, starben aus. Daher sichert diese Mandel unser Überleben – ein tolles Geschenk! Nun leben wir nicht mehr im Steinzeitalter, wo wir stĂ€ndig mit lebensbedrohlichen Situationen konfrontiert werden. Daher ist es sinnvoll, dass wir lernen mit der Angst umzugehen.

Was hat das mit dem Lernen zu tun?

Die Amygdala ist mit dem Hippocampus verbunden. Das ist der TĂŒrsteher fĂŒr das LangzeitgedĂ€chtnis. Diese beiden Teile bilden das emotionale GedĂ€chtnis und das ist maßgeblich fĂŒr das Lernen zustĂ€ndig. Wenn die Amygdala aktiv ist, wir also ‚Angst‘ empfinden, dann konzentrieren sich sĂ€mtliche Energien auf die Angst. Ein bisschen ‚Angst‘ hiflt uns, denn so sind wir aufmerksam. Zuviel Angst ist dagegen kontraproduktiv. An das Lernen ist nicht mehr zu denken, da fĂŒr den Hippocampus keine Energie mehr zur VerfĂŒgung steht. Alle Energie zielt nun darauf, auf alle EventualitĂ€ten vorbereitet zu sein. Die Energiereserven werden gebĂŒndelt. Puls, Atemfrequenzen werden erhöht und die Schweißproduktion wird angekurbelt.

Besonders wenn ich in einer mĂŒndliche PrĂŒfung bin, kann das hinderlich sein, wenn ich vor dem PrĂŒfer sitze und keinen Ton herausbekomme. Oder ich habe mich mit meiner Freundin gestritten, dann fĂ€llt mir das Lernen schwer. Ich lese mir zwar die Aufgaben durch, es bleibt aber nichts hĂ€ngen, da der Hippocampus nicht aktiv ist.

Somit ist es wichtig, beim Lernen fĂŒr eine gute entspannte LernatmosphĂ€re zu sorgen – besonders in dieser Zeit mit Homeschooling, wenig Sportmöglichkeiten und wenig Ausgleich vom Lernen

Wenn wir unsere Kinder drÀngen, endlich mit den Hausaufgaben fertig zu werden, dann erzielen wir damit nur das Gegenteil. Es entsteht Stress und dann werden die Klappen dicht gemacht, Dein Kind ist nicht mehr aufnahmebereit und die Hausaufgaben dauern noch lÀnger.

Das hilft, damit die Amygdala ruhig bleibt!

Es gibt einige Sachen, die gegen Angst und Stress helfen, manche kannst Du schnell umsetzen, andere dĂŒrfen trainiert werden.

  • Deine eigene Stimmung als Mutter hat einen großen Einfluss auf Dein Kind. Wenn Du genervt bist und Deine ZĂŒndschnur kurz wie das Leben einer Eintagsfliege ist, dann ĂŒbertrĂ€gst Du das auf Dein Kind. Das gleiche gilt auch fĂŒr Themen, denen Du Ă€ngstlich gegenĂŒber stehst. Dein Kind tut nicht, was Du sagst, Dein Kind tut, was Du tust. Daher sei der Leuchtturm fĂŒr Dein Kind.
  • Mit der Sprache erreichst Du die Amygdala nicht. Daher nehme als Mutter die Angst Deines Kindes Ernst und versuche, sie nicht kleinzureden, indem Du z.B. sagst: Ach, davor brauchst Du keine Angst zu haben. Die GefĂŒhle Deines Kindes (und von jeden anderen) sind nicht diskutierbar.
  • Da unser Gehirn Verneinungen wie ’nicht‘ und ‚kein‘ nicht verarbeiten kann, hilft ein gut gemeintes ‚Du musst keine Angst haben‘ leider nicht. Das einzige, was Dein Kind hört ist ‚Angst‘. Und das wolltest Du gerade nicht! Anstelle dessen kannst Du sagen ‚Bleib ruhig‚.
  • Unterbrich das Lernen und legt Pausen ein, wenn Dein Kind nicht weiterlernen kann, geht spazieren oder wechselt den Lernort (besonders dann, wenn der bereits mit negativen GefĂŒhlen belegt ist).
  • Nimm Dein Kind einfach in den Arm. Das Kuschelhormon ‚Oxytocin‘ reduziert nachweislich den Stress.
  • Entspannungstechniken wie AtemĂŒbungen und Traumreisen vermindern ebenfalls den Stress und die Angst.

Ist es nicht toll, was diese kleine Mandel in unserem Gehirn bewirken kann? Beim nÀchsten Mal werde daran denken, wenn ich Weihnachten die Mandel in meinem JulegrÞt finde.

Lass‘ die Neugier in Deinen Alltag!

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By Trixi Tumert

Moin, ich bin Trixi. Ich habe eine Vision: In dieser gibt es eine Welt voller GerneLerner und NeugierigBleiber. Mein Ziel dabei ist es, dass jeder seinen eigenen Lernweg findet: 'Welche Lernstrategie ist die richtige fĂŒr mich? Wie, wann und wo lerne ich am besten, so dass mir das Lernen Spaß bringt und ich das, was ich gelernt habe, auch behalte? Was sind meine StĂ€rken?' Bist Du dabei?


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